Heute hatte ich einen 35km Marathontempolauf auf dem Programm. Da ich aber einen je 2km langen Hin- und Rückweg habe, und den natürlich ebenfalls laufe, habe ich den eigentlichen Lauf um 4km verkürzt, um am Ende nicht 39km gelaufen zu sein.
So habe ich also nur einen 31km langen Marathontempolauf hinter mich gebracht. Eines vorweg: Ich bin in besserer Form als ich gedacht hätte! Auf Meereshöhe umgerechnet, bin ich einen Kilometerschnitt von 4:11 Minuten gelaufen, und das ziemlich locker in 2:09:56 Stunden. Die echte Zeit hier in der Höhe auf gut 2900 Metern war 2:17:44, da aber der Unterschied zur Meereshöhe bei 15 Sekunden pro Kilometer liegt, darf ich 7:45 Minuten abziehen.
Das Lustige am Lauf war, dass ich mein schneller als geplantes Tempo eigentlich einem Versehen zu verdanken habe. Denn ich hatte mir vorgenommen, den Kilometer in 4:15 zu laufen. Hochgerechnet reicht das, um einen Marathon in 2:59 zu laufen. Eine Runde im Park, wo ich laufe, ist 3850 lang. Umgerechnet bedeutet das also für einen 4:15er Schnitt insgesamt 17:20 Minuten pro Runde. Als ich die erste Runde hinter mir hatte, schaute ich kurz auf die Uhr, und ich weiß nicht ob ich durch die Sonne geblendet war oder was auch immer mein Sehvermögen beeinflusst hat, jedenfalls las ich irgendwas mit 17:50 Minuten. Also viel zu langsam, so dachte ich. Deshalb gab ich auf der zweiten Runde etwas mehr Gas, und ließ mich gerade auf dem etwa einem Kilometer langen Bergaufstück von einem anderen Läufer ”ziehen”, der mich kurz vor dem Ende der ersten Runde überholt hatte. Tja, am Ende der zweiten Runde schaute ich etwas genauer hin. Da stand nun eine 16:36. Das war natürlich viel zu schnell. Deshalb nahm ich wieder etwas Gas raus. Die dritte Runde lief ich dann in 16:53 Minuten, und weil das sich so locker anfühlte, habe ich nicht weiter das Tempo rausgenommen, sondern die nächsten beiden Runden fast genauso schnell gelaufen. Dann hatte ich allerdings etwas Magenprobleme, aufgrund der erstmals seit langer Zeit wieder benutzten Energiegels, so dass ich auf einmal nur noch 17:25 beziehungsweise 17:27 Minuten pro Runde lief. Die 8. Runde ging es wieder etwas besser, und ich lief dann noch 17:15 Minuten, bevor ich die letzten 200 Meter bis hin zu km 31 locker in 1 Minute auslief.
Damit war und bin ich natürlich sehr zufrieden, doch was das für New York in vier Wochen bedeutet, das weiß ich noch nicht. Denn ich vermag nicht abzuschätzen, wie sich meine Umstellung von fast 3000 Meter Höhe praktisch auf Meeresspiegel vollziehen wird. Ich hoffe natürlich gut, aber da ich das noch nie gemacht habe, bin ich vollkommen im unklaren darüber, was passieren wird. Deshalb will auch keine Vorhersagen machen, und das Rennen einfach auf mich zukommen lassen.
Übrigens habe ich die Startnummer 11009. Dass ich eine so hohe Startnummer habe, ist meinem NYC Marathon vor zwei Jahren zu “verdanken”, den ich praktisch ohne Training absolviert habe. Dadurch bin ich eigentlich nur getrabt, hatte sogar noch einen Toilettenaufenthalt nach knapp 15km, und kam deshalb nur auf 3:50 Stunden. Zwar hatte ich bei der Anmeldung angedeutet, dass ich ein Zeitziel von 3:10 Stunden hätte, doch die haben mich wahrscheinlich ausgelacht, als sie das nach einem 3:50er Ergebnis gelesen haben. Tja, die wissen nicht, wie ich trainiert habe. Zwar bin ich noch in der ersten (blauen) Welle, aber im letzten Abschnitt. Wer weiß, wozu es gut ist. Vielleicht ist es auch ein Vorteil, dass ich gerade zu Anfang wohl nicht allzu schnell laufen kann. Das hatte ich auch schon einmal 2003 in Berlin, als ich noch kein vorheriges Berlin-Ergebnis hatte, und deshalb ziemlich weit zurückgestuft wurde. Die ersten 10km hatte ich kaum Platz und erst danach wurde es besser, und ich lief meine beste Zwischenzeit damals zwischen 35 und 40km. Wenn das dieses Mal in New York auch so wäre, hätte ich eigentlich nichts dagegen. Denn mit diesem Endspurt sicherte ich mir nämlich den ersten Sub 3 Stunden Marathon.
Jetzt fehlen also noch vier Wochen bis New York. Die werde ich noch nutzen, um mir den letzten Feinschliff zu verpassen. Wenn ich weiterhin von Verletzungen verschont bleibe, dann wird mit Sicherheit eine richtig gute Zeit für einen alten Mann wie mich herausspringen.
viele Grüße aus Quito, Gerd
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