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Es ist auch bei mir etwas spät geworden. War noch unterwegs. Mein Training fällt heute leider aus. Noch immer sind wir mit dem Umzug beschäftigt. Ha, das hört gar nicht auf, denn das tägliche Leben geht ja auch weiter. Geht mir schon auf den Keks. Gestern Nacht hatten wir die Attacke aus dem All: Fliegende Kakerlaken, drei an der Zahl waren bei uns gelandet. Das war ein hartes Stück Arbeit die wieder los zu werden. Am Ende hat der Staubsauger ganze Arbeit geleistet. Hmm, frage mich warum die nicht bei Men in Black auf diese Idee gekommen sind. Wär wohl nicht so spektakulär gewesen. Doch ein gigantischer Staubsauger hätte sicherlich auch was hergegeben. Die Teile sind hier mittelfingerlang, und wie gesagt, die können fliegen. Echt fette und fiese Brummer. Wir müssen wirklich aufpassen, dass wir uns da keine Kolonie einfangen.
Tja, und gestern bekam ich dann auch eine e-mail von meiner holländischen Freundin Maro, der Physiotherapeutin. Sie schickte mir eine Kopie mehrerer e-mails ihres Mannes mit dem Sportredakteur der größten ansässigen Zeitung, El Comercio. Ihr Mann Luis hatte sich darüber beschwert, dass der Sportbund jetzt einen Koreaner angeheuert habe,der noch nicht einmal Spanisch spreche und die peruanischen Verhältnisse überhaupt nicht kenne. Darin hat er mich auch erwähnt, und sein Unverstädnis über meine Entlassung geäußert Im Antwortschreiben des Redakteurs hieß es, dass auf seine Nachfrage die Direktorin des IPD gesagt habe, dass ich entlassen worden sei, weil ich von den Athleten Geld verlangt habe, obwohl ich doch vom Sportbund bezahlt worden sei. Es gab noch einige andere Mails, doch wie man sich denken kann, konnte ich diese Aussage natürlich nicht stehen lassen. So habe ich mich dann auch gleich an den Computer gesetzt, und meine eigene Version der Dinge geschildert. Darin habe ich auf das öffentliche Waschen von schmutziger Wäsche verzichtet, nur darauf hingewiesen, dass das eine glatte Lüge sei. Ich habe von keinem Läufer auch nur einen Cent gesehen.
Im Gegenteil habe ich angeprangert, dass die Direktorin nicht gerade vor Professionalität strotzt, jeden Kontakt mit mir verweigert und mir bis heute nicht gesagt hat, dass ich entlassen bin. Haha, offiziell bin ich noch immer Koordinator des Marathonprogramms!
Das wird jetzt langsam lächerlich. Eigentlich hatte ich mit dem Thema schon abgeschlossen, doch nach dem Lesen dieser Mails musste ich doch eingreifen. Ich habe zwar bisher keine Antwort von diesem Journalisten bekommen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Lustig fand ich auch die Behauptung des Reporters, dass er mich kenne. Daraufhin habe ich ihm geschrieben, dass ich verneinen müsse, dass er mich kennt. Er habe mich nie zu meiner Arbeit befragt, geschweige denn je ein komplettes Interview mit mir geführt.
Des weiteren habe ich mir erlaubt, die Ankündigung, in Rio Gold im Marathon holen zu wollen, ins Reich der Fabel verwiesen. Dem Journalisten habe ich mitgeteilt, dass die Kenianer und Äthiopier wahrscheinlich jetzt schon vor Angst zittern werden. Oh Mann, warum müssen diese Leute immer so übertreiben. Können die nicht einfach mal den Mund halten, und sich der seriösen Arbeit widmen. Ich habe ebenfalls gesagt, dass es nichts nützt wenn die Läufer über viel Talent verfügen, aber keine Arbeitsethik mitbringen und nicht einmal wissen, wie Professionalität geschrieben wird.
Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Trainer passieren kann: Ein Riesentalent unter den Fittichen zu haben, und der dann nicht bereit ist, das auch durch harte Arbeit unter Beweis zu stellen. Nicht umsonst sind die besten Athleten überall auf der Welt gleichzeitig auch diejenigen, die am härtesten trainieren.
Apropos trainieren. Auf meinem Weg zum Marathon in Lima am 2. Mai habe ich gestern wieder eine Trainingseinheit bei mir im Park absolviert. Nach drei Kilometern warmlaufen, gab es 4×1200 Meter Schwellenlauf mit einer Minute Pause dazwischen, dann locker 20 Minuten laufen, anschließend 20 Minuten Tempolauf und dann drei Kilometer Auslaufen. Im Moment mache ich die Tempoeinheiten in 4:15 Minuten pro Kilometer. Mehr ist noch nicht drin, aber wie gesagt, bei dem warmen Wetter bin ich damit echt zufrieden. Mein Gewicht geht auch immer weiter runter. Nur noch 68,3kg. Jetzt fehlen nur noch zwei Kilo bis zum Kampfgewicht. Ende März werde ich meinen ersten Wettkampf bestreiten. Hoffentlich ist es dann nicht mehr ganz so warm, und die Strecke einigermaßen genau abgemessen. Ich werde diese auf jeden Fall anschließend noch einmal mit dem Auto abfahren. Vor Jahren war ich bei einem sogenannten 8 Kilometer Lauf mal eine unglaubliche Zeit gelaufen, trotz eines 400 Meter langen und wenigstens 10 prozentigen Anstiegs. Bei der anschließenden Überprüfung blieb der Tachometer bei 6,8 km stehen. Ein andermal war die Strecke gleich um 500 Meter zu lang. Also ich kann euch sagen, das, was vor Jahren mal der LG HNF passiert war, ist hier völlig normal. Im Prinzip gibt es hier nur zwei Rennen, die amtlich vermessen sind. Der Rest ist meist Pi mal Daumen, so wie es gerade passt.
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