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Wie geht’s Euch eigentlich gerade in Deutschland so bei dem Winter? Läuferisch kann ja im Moment nicht viel los sein? Das muss ja schon ätzend sein. Habt Ihr wenigstens Spikes? Trotzdem sind die Temperaturen wohl nicht gerade angenehm. Ich erinnere mich noch an diese heftigen Winter, wo ich dann immer mit einem weißen Bart zurückkam. Inzwischen schimmert es auch so heftig durch, ich meine das Weiße oder vielmehr das Graue im Bart. Egal, hier habe ich gerade mit den umgekehrten Problemen zu kämpfen. Seit ein paar Tagen hängt eine Hitzeglocke über der Stadt, und man spricht in den Zeitungen schon von der Möglichkeit des El Ninos. Ha, der Typ ist spät dran. Denn normalerweise erfolgt die Umschichtung der normalerweise kalten zur warmen Meeresströmung so um die Weihnachtszeit, deshalb in Anlehnung an das Christkind halt El Nino genannt. Doch das Christkind ist ja schon längst da gewesen, obwohl sich bei uns im Haus hartnäckig das Gerücht hält, es komme noch mal wieder in Kürze. Haha, deshalb haben meine Frauen auch den Baum noch nicht abgebaut. Das ist das einzig gute an diesem Plastikteil. Es nadelt nicht. Ich kann es aber echt nicht mehr sehen. Wenn der Weihnachtsschmuck nicht bald weg ist, schmeiß ich den Baum aus dem Fenster!
Auf dem Laufsektor gibt es nicht viel Bewegendes, außer ich habe meiner Noch- oder Ex-Chefin (?), keiner weiß es so genau, gestern eine schöne Mail geschickt. Darin stellte ich die Frage, ob sie sich noch an mich erinnere. Zur Gedächtnisauffrischung habe ich ihr gesagt, sie hätte mich als Trainer eingestellt. Ich habe meine Verwunderung und Überraschung ausgedrückt, dass der Sportbund jetzt ein Marathonprogramm für London 2012 aufgelegt habe, und auch ein Programm für das laufende Jahr 2010. Warum ich denn als Verantwortlicher überhaupt nicht konsultiert worden wäre? Ich habe sie daran erinnert, dass ich ihr ja selbst einen Plan für das Jahr 2010 in die Hand gedrückt hätte, mit dem Blick auf die Marathons 2011 und 2012 bei den Panamerikanischen und Olympischen Spielen. Ich habe ihr auch ausdrücklich gesagt, dass ich das vorgelegte Programm, das man auf der Webseite des Sportbundes nachlesen kann, nicht gutheißen würde. Ganz im Gegenteil. Es sieht nämlich vor, dass sich die Langläufer auf kürzere Distanzen bis Halbmarathon vorbereiten sollen. Ich dagegen propagiere für dieses Jahr einen langsamen Marathonaufbau für die jüngeren Talente, mit der Teilnahme an einem Marathon in der zweiten Jahreshälfte. Denn sonst müssen die Läufer im kommenden Jahr, wenn es “gilt”, ins kalte Wasser geworfen werden. Das heißt, die trainieren jetzt vielleicht 100 Kilometer pro Woche mit Wettkämpfen auf der Bahn, und im kommenden Jahr sollen die gleichen Jungs/Mädels, dann die doppelte oder gar mehr Distanz trainieren. Tja, wer sich das ausgedacht hat, dem würde ich empfehlen, das erst einmal verletzungsfrei vorzumachen.
Es ist offensichtlich, wenn sich einer in Deutschland ein Buch mit Marathontraining kauft, sich das gut durchliest und sich die wichtigsten Sachen merkt, dann weiß er schon mehr als die meisten “Trainer” hier vor Ort.
Jetzt warte ich erst einmal ab, ob ich auf diese etwas provozierende Mail überhaupt eine Antwort bekommen. Wenn nicht, fahre ich dort noch mal hin und verlange ein Zertifikat für die Zeit wo ich dort gearbeitet habe. So jedenfalls geht das nicht weiter. Ich habe keine Lust mehr darauf, hingehalten zu werden. Dann trainiere ich halt Amateure. Gerade erst gestern abend habe ich ein Angebot bekommen, eine Gruppe von Läufern für einen Marathon vorzubereiten. Vielleicht stelle ich mich auch wie letztes Jahr wieder als Laufguru Sonntagvormittags auf die Straße und erkläre den Läufern das Lauf-ABC.
Hmm, nein, das werde ich nicht machen, denn dann leidet mein eigenes Training, oder ich müsste meine langen Läufe samstags erledigen. Doch das würde meiner Frau nicht behagen, die will nämlich immer irgendwohin gefahren werden, meist zum Shoppen.
Mein Training läuft gut, hier und da zwickt die Achillessehne, aber im Großen und Ganzen kann ich nicht klagen. In einer guten halben Stunde geht es wieder auf die Piste. Ich werde versuchen, trotz noch immer mehr als 25 Grad, einen 5km Tempolauf im 4:15er Schnitt im nächstgelegenen Park hinter mich zu bringen. Mal sehen, ob ich da nicht eine alte Oma im Rollstuhl über den Haufen renne.
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