Der Hühnerhaufen

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Derzeit genieße ich gerade meine “Zwangsferien” vom Trainerjob. Ich habe Zeit für alle möglichen Sachen. Hauptsächlich um mich selbst wieder in Form zu bringen. So langsam verliere ich an Gewicht. Seit Beginn des Monats sind es nun 3,7 kg. Inzwischen bin ich bei 71,9kg angelangt. Bis zu meinem besten Marathongewicht von 66kg ist es allerdings noch ein ziemlicher Weg. Das Abnehmen geht “ganz einfach”: Nur das Trainingspensum erhöhen, etwas weniger essen und keinen Alkohol trinken ist mein Rezept. Heute ist schon der 23., und ich bin noch immer trocken.
Gestern nachmittag habe ich einen verschärften etwa 18km langen Lauf in 1:25 Stunde hinter mich gebracht. Das Laufgefühl wird immer besser, und die Geschwindigkeit geht merklich nach oben. Der gleiche Lauf vor gut 10 Tagen war mehr oder weniger ein Desaster.Die letzten drei, vier Kilometer musste ich immer wieder stehen bleiben weil mir die Puste fehlte. Darüber hinaus war dieser Lauf auch nicht so schnell wie der gestrige. Dabei herrschte wieder einmal ziemlich hohe Luftfeuchtgikeit, aber das bin ich inzwischen gewöhnt. Kann mich noch dran erinnern, als mich mein Freund Bernd vor Jahren mal besuchte und ich mit ihm an der Küste entlang lief. Zuerst war noch alles in Ordnung, Doch nach ein paar Kilometern an der Küstenstraße entlang hat es ihn fast flachgelegt. Die Umstellung braucht schon eine Weile. Ich habe jedes Mal das Gefühl bei meiner Rückkehr, als hätte ich unterwegs gebadet. Dabei bin ich gar nicht so ein heftiger Schwitzer, doch selbst die Laufhose war gestern triefend nass. Zum Glück stand das Wasser nicht in den Schuhen.
Gestern habe ich auch einen netten Artikel gelesen auf der Webseite des Peruanischen Sportbundes. Da wurde doch tatsächlich ein Marathon Programm – London 2012 veröffentlicht. Ich musste mich doch glatt mal am Kopf kratzen. Das hatte ich schon im vergangenen Jahr vorgeschlagen. Da wurde das gesamte Programm für dieses Jahr veröffentlicht. Das heißt, dort stand, auf welche Wettbewerbe sich die Sportler konzentrieren sollten. Das ging vollkommen an meiner Planung vorbei, weil da jetzt Leute sitzen die keine Ahnung haben. Ich hatte im Dezember vorgeschlagen, die ältesten Läufer aus dem Programm zu nehmen, und da dieses Jahr außer den südamerikanischen Meisterschaften im Halbmarathon in Lima keine offiziellen Wettkämpfe anstehen, hatte ich vorgesehen, dass die jüngeren Läufer 2010 als Übergangsjahr ansehen und sich an das Marathontraining und die Distanz gewöhnen, und unter Umständen an einem Rennen teilnehmen. Denn der Marathon steht 2011 bei den Panamerikanischen Spielen und 2012 bei den Olympischen Spielen im Mittelpunkt für die Langstreckenläufer.
Die machen jetzt einfach ein Programm, ohne mich zu konsultieren. Das ist in etwa so als würde Merkel in Urlaub gehen, und die CDU/FDP hinter ihrem Rücken ihre eigene und damit eine andere Politik machen. Deshalb hatte ich gestern auch Kontakt aufgenommen mit der Frau, die für dieses Programm verantwortlich ist. Ich beglückwünschte sie zu ihrem neuen Posten als Trainerin der Langstreckler. Doch ihre Mail kam postwendend. Nein, sie sei nicht die neue Trainerin, es gäbe wohl Probleme mit dem Budget und so sei sie angewiesen worden die Pläne für dieses Jahr voranzutreiben. Ich dagegen solle nicht ungeduldig werden, sicherlich würde sich alles zum Guten wenden.
Na wie lustig, ich arbeite seit fast zwei Monaten nicht mehr, und da soll ich nicht ungeduldig werden. Vor allem, wenn ich dann solch einen Mist lesen muss. Mein Läufer Edmundo Torres will schon nicht mehr für den Marathon trainieren, und sich jetzt lieber auf die 10km und den Halbmarathon konzentrieren. Und das nach mehr als 8 Wochen Marathontraining! Ich muss mich immer öfter an den Kopf fassen, um das alles zu begreifen. Irgendwie komme ich mir vor wie beim Hühnerhaufen, alle laufen durcheinander und gackern, so dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.
viele Grüße aus dem sonnigen Lima,
Gerd
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