Jan Fitschen, Falk Cierpinski und Martin Beckmann: Olympianorm?

27. April 2012

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Gleich drei deutsche Spitzenläufer stehen am Sonntag bei den Marathons von Hamburg und Düsseldorf im Mittelpunkt. Alle haben nur ein Ziel: Die Teilnahme an den olympischen Spielen in London. Dafür müssen sie die deutsche Olympianorm von 2:12 Stunden erreichen. Diese Zeit wäre für jeden in diesem Trio eine neue Bestzeit. Doch bei gutem Wetter, guten Tempomachern und der nötigen Unterstützung durch die Zuschauer halte ich es für möglich, dass zumindest einer aus diesem Trio die Norm schafft.

Meiner Meinung nach hat Jan Fitschen die besten Chancen. Der ehemalige 10000 Meter Europameister hat sich in verschiedenen Trainingslagern intensivst auf sein bisher wichtigstes Marathonrennen vorbereitet. Für längere Zeit war er in Iten/Kenia, und hat sich dort sicherlich auch eine Menge von den Kenianern abgeschaut.  Für ihn stehen denn in Düsseldorf auch gleich drei Kenianer als Tempomacher zur Verfügung. Den Halbmarathon will Fitschen knapp unter 66 Minuten angehen.  Vorausgesetzt er erlebt auf der zweiten Hälfte keinen Einbruch, dürfte ihn dieses Tempo an die deutsche Olympianorm heranführen. Ich betone hier “deutsche” Norm, denn die eigentliche von der IAAF vorgegebene A Norm steht dagegen nur bei 2:15 Stunden. Doch das ist dem DLV offensichtlich zu langsam und ich finde auch, dass eine Zeit von 2:12 Stunden nicht gerade als außerirdisch betrachtet werden sollte. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Äthiopier und Kenianer gleich reihenweise Zeiten von 2:04 und 2:05 Stunden laufen. Nur zum Vergleich: Bei einer Siegerzeit von 2:04 Stunden, und der deutschen Norm von 2:12, hat der deutsche Läufer gerade mal die 40km Marke erreicht. Das sind Welten Unterschied. Doch davon sollen sich die Jungs am Sonntag nicht verrückt machen lassen. Für sie gilt in diesem Fall der eigentliche olympische Spruch: Dabeisein ist alles!

Ich drücke jedenfalls allen die Daumen und hoffe, dass weningstens einer die deutschen Langlauffahne beim olympischen Marathon in London hochhält!

viel Spaß beim Laufen, Gerd

 

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Kenianisches Olympiateam für den Marathon

25. April 2012

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Bei den Männern hat der kenianische Verband die folgenden Läufer ausgewählt:
Wilson Kipsang, London- und Frankfurt-Sieger
Abel Kirui, Doppel-Weltmeister 2009 und 2011
Moses Mosop, Chicago-Sieger 2011
Das Frauenteam sieht wie folgt aus:
Mary Keitany, London-Siegerin 2011 und 2012, Afrika-Rekordhalterin
Edna Kiplagat, Weltmeisterin 2011 und New York-Siegerin 2010
Prisca Jeptoo, Vize-Weltmeisterin 2011
 
Mein Kommentar dazu: Ich wünschte der deutsche Verband hätte so viele Probleme gehabt, wie der kenianische bei der Auswahl des Olympiateams! Na ja, Schwamm drüber. Meine Meinung ist: Wilson Kipsang, durch seine Siege in Frankfurt und London hat er sich das Ticket ganz klar verdient. Abel Kiru ist meines Erachtens aufgrund seiner Hitzelauffähigkeiten für die Olympiade ausgewählt worden. Das hat er sowohl 2009 und 2011 jeweils bei den Weltmeisterschaften bewiesen, als er beide Hitzeläufe gewann. Denn im Gegensatz zu bisherigen Olympiaden wird der Männer-Marathon erst um die Mittagszeit stattfinden. Das Moses Mosop auserwählt wurde, ist die eigentliche Überraschung. In Rotterdam hatte er einen Weltrekord angekündigt, und mußte dann zwei Äthiopier ziehen lassen.
Damit bleiben Geoffrey Mutai, Emmanuel Mutai und Weltrekordler Patrick Makau außen vor. Sollten wir die drei nicht schnell für Deutschland einbürgern??? Tja, ich hatte ja trotz seines Ausstiegs in Boston auf eine Nominierung von Geoffrey Mutai gehofft, da er meines Erachtens zur Zeit der beste Marathonläufer ist. Doch der kenianische Verband hat sich ohne die Umstände zu beachten, für die oben genannten Athleten entschieden. Vielleicht wird sich Mutai seinen Ärger über die Nichtnominierung mit einem Weltrekord (vielleicht in Berlin???) Luft machen. Wer weiß?
Die Auswahl des Frauenteams ist die logische Folge des Ergebnisses vom vergangenen Sonntag. In London starteten die vornominierten Läuferinnen, und die jetzt benannten lagen halt auf den ersten drei Plätzen. da gibt es für mich keinen Diskussionsbedarf.
Nun werde ich aber in den kommenden Tagen, und natürlich ganz besonders am Sonntag, Jan Fitschen die Daumen drücken. Fitschen wird beim Düsseldorfer Marathon das Unternehmen “Olympiaquali” in Angriff nehmen. Es wäre schön, wenn der Jan in London dabei wäre. Viel Glück, Jan Fitschen!!!
 
viel Spaß noch beim Laufen, Gerd
 
 

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Lauf wie ein Kenianer

24. April 2012

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 Wäre es nicht toll, wie ein Kenianer zu laufen?

Also du wirst jetzt wahrscheinlich nicht auf über 2000 Meter Höhe umziehen, und nicht dein ganzes Leben dem Laufsport widmen und 200 Kilometer pro Woche laufen. Außerdem ist es wohl ein bißchen zu spät, sich Eltern mit anderen Genen auszusuchen. Doch das heißt jetzt nicht, dass man nicht wie en Kenianer trainieren kann. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Nachschlag zum London Marathon – Ärger über Eurosport

22. April 2012

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Nachdem ich ein paar Stunden geschlafen habe, denn ich bin erst um 6:30 Uhr morgens ins Bett gekommen, hier noch etwas was mich gestern Nacht ziemlich geärgert hat. Den Marathon habe ich per Internet verfolgt, und zufälligerweise der einzige Kanal der zur Verfügung stand, war Eurosport Deutschland. Dort war Dirk Thiele Kommentator und Claudia Dreher, ehemalige deutsche Marathon-Spitzenläuferin, seine Co-Kommentatorin.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was die Beiden während des Rennens gemacht haben. Das war eher ein Kaffeekränzchen als eine Marathon-Übertragung. Zuerst einmal glänzte Thiele mit einer geradezu faszinierenden Ahnungslosigkeit, dass ich mich schon gefragt habe mit welchem Recht sitzt der Mann da hinter dem Mikrofon sitzt. Der hätte genauso gut eine Besteigung der Eiger-Nordwand kommentieren können. Vielleicht wäre das auch besser so gewesen! Claudia Dreher versuchte zwar, das Ganze mit Fachwissen zu retten, doch gut gelungen ist ihr das nicht. Denn während sie mit Thiele schwätzte, merkten beide nicht, dass zum Beispiel Weltrekordler Patrick Makau, schon lange vor der 20km Marke aussteigen mußte. Das ist den beiden erst nach 35km aufgefallen. Wie sagte Dreher so schön:” Ich habe gerade die Meldung bekommen, dass Makau aufgegeben hat.” Leute, da fällt mir nichts mehr zu ein! Makau war zu diesem Zeitpunkt wohl schon unter der Dusche!

Wenigstens korrigierte sich Dreher dann noch, als sie der späteren Siegerin Mary Keitany bei ihrer Zwischenzeit nach 40km von 2:11:46 Stunden eine hohe 2:19er Endzeit voraussagte. Das wäre ein 4er Schnitt für die letzten Kilometer gewesen, aber Kopfrechnen ist ja heutzutage schon ziemlich schwer geworden. Ausserdem meine ich, dass die Regie etwas flexibler sein könnte, wenn zum Beispiel Läufer einen Angriff startet, dass man dann nicht für eine Werbung rausgeht, sondern sieht wie sich dieser Angriff entwickelt.

Ein Vorbild könnte da der Marathon von Chicago aus dem Jahre 2010 sein, wo der leider verstorbene Sammy Wanjiru und der heute drittplatzierte Tsegaye Kebede, sich auf den letzten Kilometern einen legendären Zweikampf lieferten. Da wollte die Regie auch schon rausgehen, als sich Kebede ein paar Meter Vorsprung herauslief, und der Sprecher zur Werbung abgeben wollte. Dann aber konterte Wanjiru, und versuchte selbst die Führung zu übernehmen. Per Werbung wäre dieser faszinierende Zweikampf für die Nachwelt verloren gegangen. Der Sender, glaube es war CBS, blieb bis zum Schluß drauf. So sollte es auch bei Eurosport sein.

Also bitte Eurosport: Holt den Thiele weg vom Mikro bei Marathonrennen, und lasst ihn die Besteigung der Eiger-Nordwand oder Hallenhalma kommentieren.

viel Spaß noch beim Laufen, Gerd

 

 

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Mary Keitany und Wilson Kipsang gewinnen den London Marathon

22. April 2012

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Ich kann demnächst als Wahrsager auftreten: Meine Tipps im Vorfeld, Mary Keitany und Wilson Kipsang, sind aufgegangen. Mary Keitany gewann mit neuem Afrikarekord von 2:18:36 Stunden den London Marathon. Damit hat sie ihre kenianische Landsfrau Catherine Ndereba abgelöst, die eine Zeit von 2:18:47 Stunden stehen hatte. Sie besiegte die amtierende Weltmeisterin Edna Kiplagat, die in 2:19:50 Stunden ebenfalls noch untter der magischen Grenze von 2:20 Stunden.  Das dritte keniasche Olympiaticket holte sich die Vize-Weltmeisterin Priscah Jeptoo nur knapp dahinter in 2:20:14 Stunden. Ohne Chance blieb die Deutsche Irina Mikitenko, die doch um fast drei Minuten unter der angesagten Vorgabe ihres Mannes blieb, und in 2:24:53 Stunden doch ein wenig enttäuschte.

Im Männerwettbewerb ging gleich vom Start die Post ab. Hätten die Männer diese mörderische Tempo der ersten Meile bis zum Ziel durchgehalten, wäre der Weltrekord geradezu pulverisiert worden. Denn dann wäre eine Zeit von unter 2:02 Stunden herausgekommen. Doch dann wurde das Tempo zwischendurch etwas verschleppt, und Weltrekordler Patrick Makau überholte zwischenzeitlich sogar die beiden Tempomacher. Umso überraschender, dass gerade Makau schon sehr früh, kurz nach 15km, aus dem Rennen ausstieg. Damit beraubte sich Makau seiner Olympiachance. Vorne liefen Kipsang, Doppel-Weltmeister Abel Kirui, Titelverteidiger Emmanuel Mutai und Altmeister Martin Lel.

Eine Vorentscheidung fiel dann recht früh. Als die Tempomacher nach etwa der Hälfte des Rennens ausstiegen, zog Frankfurt Sieger Wilson Kipsang das Tempo an. Ihm konnte zuerst nur der Äthiopier Lilesa folgen, und kurze Zeit später dann noch Kirui. Dieses Trio zog davon, und hatte schon bald einen großen Vorsprung auf Kebede, Lel und Mutai. Nach knapp 35km führte dann Kipsang durch einen erneuten Zwischenspurt die Entscheidung herbei, und setzte sich von seinen Rivalen ab.  Er lief ungefährdet ins Ziel, und verfehlte in 2:04:44 Stunden den Streckenrekord von Emmanuel Mutai nur um vier Sekunden.

Auf den nächsten Plätzen spielte sich aber auf dem letzten Kilometer noch ein Drama ab. der lange auf Platz zwei liegende Kirui wurde knapp 700 Meter vor dem Ziel noch vom Äthiopier Tsegaye Kebed und Martin Lel überholt. Lel sicherte sich dann im Spurt den zweiten Platz in 2:06:50 Stunden vor Kebed in 2:06:51 Stunden. Kirui war dagegen so entkräftet, dass er sogar nur noch auf den sechsten Platz kam.

Nun hatte es vor dem Rennen geheißen, dass London die Ausscheidung der Kenianer für Olympia werden sollte. Wenn denn tatsächlich die ersten drei dieses Rennen berufen werden, dann sind Kipsang, Lel und Kirui in knapp 100 Tagen am Start. Allerdings habe ich das Gefühl, dass aufgrund der Zeiten die Lel und Kirui gelaufen sind, da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Der Einzige, der für mich sicher feststehen dürfte ist Wilson Kipsang. Moses Mosop lief zum Beispiel in Rotterdam mehr als 1:30 Minute schneller als heute Martin Lel. Darüber hinaus halte ich den zwar in Boston ausgestiegenen Geoffrey Mutai auf jeden Fall für stärker als die zur Disposition stehenden Läufer.

Am Ende rechene ich mit folgender kenianischen Marathon Olympia-Mannschaft: Wilson Kipsang, Geoffrey Mutai und Moses Mosop. Mal sehen, ob ich am Ende Recht behalte.

viel Spass noch beim Laufen, Gerd

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Vorschau auf den London Marathon

19. April 2012

Hallo zusammen, am Wochenende dreht sich alles um den London Marathon. Denn London ist traditionell der am besten besetzte Marathon der Welt, zumindest bei den Männern. Doch dieses Jahr strotzt auch das Frauenfeld nur so voller Stars. Aus deutscher Sicht läuft Irina Mikitenko mit, die aber meines Erachtens nur eine Außenseiterchance hat. Nach ihrem zweiten Platz beim Paderborner 10km Osterlauf, deutete ihr Mann und Trainer an, dass “Irina 2:22 Stunden laufen kann”. Das wird gegen die kenianische Phalanx, angeführt von Titelverteidigern Mary Keitany wohl kaum ausreichen, um einen der vorderen Plätze zu belegen. Um den Sieg zu schaffen, und gleichzeitig einen Platz im kenianischen Olympiateam zu sichern, erwarte ich eine Zeit deutlich unter 2:20 Stunden. Vorausgesetzt, dass Wetter spielt mit. Doch dann können auch andere, nicht nur Keitany unter der magischen 2:20 Stunden Marke bleiben. Ich denke da nur an die Siegerin von Berlin im vergangenen Jahr, Florence Kiplagat. Ebenfalls heiß auf die Olympiaquali ist die amtierende Weltmeisterin und frühere New York Siegerin Edna Kiplagat. Ich freue mich schon, das wird ein ganz spannendes Rennen werden. Nur schade, dass die Russin Lilyia Shobukova nicht dabei ist. Doch diese läuft wohl aus Olympia-taktischen Gründen nicht mit.

Bei den Männern ist es fast das gleiche Bild – Kenianische Olympiaqualifikation mit internationaler Beiteiligung. Am Start: Weltrekordler Patrick Makau (2:03:38 Stunden), Doppel-Weltmeister Abel Kirui, London-Titelverteidiger und World Marathon Majors Sieger Emmanuel Mutai und last but not last Frankfurt Sieger Wilson Kipsang, mit 2:03:42 Stunden hinter Makau der zweitschnellste Läufer aller Zeiten. Natürlich nicht mit grechnet die Zeiten vom letztjährigen Boston Marathon von Geoffrey Mutai (2:03:02 Stunden) und Moses Mosop (2:03:06 Stunden).

Wo wir gerade bei Geoffrey Mutai und Moses Mosop sind. Beide haben wohl ihre Olympiachancen verspielt, wenn nicht irgend etwas unvorhergesehenes in London passiert. Mosop lief vergangenen Sonntag in Rotterdam ein für ihn enttäuschendes Rennen. Denn zwei Äthiopier kamen vor ihm ins Ziel. Seine 2:05 Stunden sind zwar trotzdem eine hervorragende Zeit, welcher deutsche Marathonläufer würde nicht gerne so schnell laufen können, aber andere laufen halt zur Zeit 2:04 Stunden oder gar noch schneller. Mutai hatte in Boston das große Pech, einen Hitzelauf zu erwischen, und mußte nach knapp 30km mit Magenkrämpfen aussteigen.

Sein Namensvetter und Titelverteidiger in London, Emmanuel Mutai, wäre normalerweise mein erster Favorit, hatte aber vor mehreren Wochen noch mit Typhusfieber zu kämpfen. Deshalb weiss keiner, wie fit der Streckenredordhalter (2:04:40 Stunden)  am Sonntag sein wird.

Nicht außer Acht lassen darf man den Äthiopier Tsegaye Kebede, der sich 2010 im letzten Rennen des verstorbenen Olympiasiegers Sammy Wanjiru mit diesem einen legendären Zweikampf lieferte.   Oh Mann, Sammy was warst du für ein Läufer! Ich trauere immer noch!!! Im gleichen Jahr 2010 nach dem Marathon in New York bei der Preisverleihung als World Marathon Majors Sieger hatte ich das Glück, mit ihm ein Interview zu führen. Rest in Peace Sammy!!! Hier das Link zu Chicago Marathon 2010:

http://www.flotrack.org/coverage/237467-2010-Chicago-Marathon/video/359189-Sammy-Wanjiru-Amazing-Mens-Finish-at-2010-Chicago-Marathon 

Meine Tips für Sonntag:

Mäner: Wilson Kipsang

Frauen: Mary Keitany

viel Spaß beim Marathon! London darf man nicht verpassen!

Gerd

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Der Boston Hitze-Marathon – Großer Konter von Kenia

16. April 2012

Nachdem am Sonntag noch die äthiopischen Läufer die Schlagzeilen beherrschten, und für positive Überraschungen sorgten, war der Boston-Marathon eine regelrechte Demonstration der Stärke der kenianischen Rivalen. Bei Temperaturen von bis zu 28 Grad im Schatten, fast 20 Grad mehr als im vergangenen Jahr, schafften die Laufstars aus Ostafrika sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern einen glatten “Sweep”. Denn die ersten drei Plätze in beiden Rennen gingen vollständig an Kenia.

Doch die eigentlich Überraschung war, dass nicht etwa die großen Favoriten wie die Vorjahressieger Geoffrey Mutai und Caroline Kilel, erneut den Sieg holten. Nein, Mutai, der alles überragende Marathonläufer des vergangenen Jahres mußte nach 18 Meilen (29km) mit Krämpfen sogar aufgeben.  Dadurch ist seine Olympianominierung nun äußerst gefährdet.

Es gewannen Athleten aus der zweiten Reihe: Bei den Frauen siegte die Vorjahresdritte Sharon Cherop in 2:31:50 Stunden, während bei den Männern Wesley Korir in 2:12:40 Stunden gewann. Cherop, die Hamburg-Marathon Siegerin von 2010, sagte nach dem Rennen, dass sie “bis zwei Wochen vor Boston noch nicht wußte, ob sie teilnehmen könne”. Der Grund eine langwierige Knieverletzung. “Erst vor drei Tagen hatte ich endgültig Gewissheit, dass mein Knie in Ordnung war”.

Dafür hat Cherop ein Klasserennen abgeliefert, auch wenn es keine Klassezeit war. Doch aufgrund der hohen Temperaturen ging es nicht um eine Superzeit, sondern nur um den Sieg. Etwas Pech hatte Vorjahressiegerin Caroline Kilel, die sich lange in der Spitzengruppe aufhielt, aber an einer Wasserstelle von einer Volontärin behindert wurde, und anschließend mehrere Meter verlor. Sie schaffte zwar noch einmal kurzzeitig den Anschluß, aber in den Newton Hills war dann endgültig die Hoffnung weg, den Sieg erneut zu schaffen.

Im Männerrennen gab es lange Zeit eine riesige Spitzengruppe, die zuerst von Matthew Kisorio und dem Vorjahreszweiten von Frankfurt, Levy Matebo, gesprengt wurde. Zuerst konnte auch Geoffrey Mutai mitgehen, doch als Kisorio erneut das Tempo anzog, mußte der Marathon-Weltranglistenerste, mit Krämpfen aufgeben.

Wesley Korir dagegen lief ein sehr cleveres Rennen aus der zweiten gruppe heraus. Er ging bei keinem der Zwischenspurts mit, und lief sein eigenes Tempo. Dies führte ihn nach 38km an Kisorio vorbei, der am Ende gar auf den 10. Platz zurück fiel, auf die Spur des lange führenden Matebo. Doch dieser gab sich nicht so leicht geschlagen, und an einer Verpflegungsstelle setzte sich der 22jährige erneut ab. Doch es schien so als habe sich Korir nur einen Moment ausgeruht, denn auf dem nächsten Kilometer griff der 29jährige zweifache Los Angeles Marathon-Sieger erneut an, und dieses Mal konnte Matebo der Tempoverschärfung nicht standhalten.

Interessanterweise lebt Korir seit vielen Jahren in den USA, und schloß dort im Jahr 2008 sein Studium an der Universität von Louisville ab, wo er auch Mitglied des Cross-Country Teams. Im Jahr 2009 lief Korir seinen ersten Marathon in Chicago, wo er einen tollen vierten Platz in 2:13:53 Stunden schaffte. Das Verrückte an der Sache aber war, dass Korir nicht im Elitefeld startete, sondern fünf Minuten später mit den Voksläufern. Aus diesem Grunde wurde er vom US-Verband nicht im Elitefeld gewertet, und ihm entging dadurch eine hohe Prämie. Anschließend sagte aber Renndirektor Carey Pinkowski dem Kenianer eine Prämie in unbestimmter Höhe für seine herausragende Leistung zu.

 

viele Grüße, Gerd

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Rotterdam, Paris und Wien – Äthiopien schlägt zurück

15. April 2012

Während im vergangenen Jahr die Läufernation Kenia den Erzrivalen aus Äthiopien bei fast allen großen Rennen auf der Straße die Hacken gezeigt hat, scheint sich im Olympiajahr das Ballt ein wenig zu wenden. Nachdem schon in Dubai äthiopische Läufer durch überragend schnelle Zeiten glänzten, gab es nun sogar einen Doppelsieg in Rotterdam durch Yemane Adhene und Getu Feleke vor dem höher eingeschätzen Chicago-Sieger Moses Mosop. Dieser hatte vor dem Rennen noch großspurig einen Weltrekordversuch angekündigt. Doch offensichtlich sind die 2:03:38 Stunden von Patrick Makau von Berlin kein Fallobst. Viele Experten hatten ja damit gerechnet, dass Makaus Rekord nicht lange Bestand haben würde. In Rotterdam lief auch eine neue deutsche Marathon-Hoffnung mit: der erst 22jährige Robert Krebs. Der Berliner lief in 2:16:38 Stunden auf den 20. Platz, und war mit seinem Debüt trotz des störenden Windes zufrieden.  

Bei den Frauen gab es ebenfalls einen klaren Sieg für Äthiopien, und das in neuer Rekordzeit. Tiki Gelana lief in 2:18:55 Stunden die viertschnellste jemals gelaufene Zeit nach Paula Radcliffe, Liliya Shobukova und  Catherine Ndereba. Zwar schlugen die Kenianer in Paris und Wien zumindest bei den Männern zurück, doch auch diese beiden Marathons waren bei den Frauen fest in äthiopischer Hand. In Paris lief dabei Tirfi Beyene ebenfalls eine Weltklassezeit in 2:21:40 Stunden.

Nun bin ich gespannt auf den Marathon am morgigen Montag in Boston, und vielleicht kann der Äthiopier Gebre Gebremariam wie 2010 in New York auch dieses Mal den Kenianern ein Schnippchen schlagen.  Doch der große Favorit ist natürlich Geoffrey Mutai, seines Zeichen der schnellste Marathonläufer aller Zeiten mit seinem Streckenrekord vom vergangenen Jahr in 2:03:02 Stunden. Wie ihr ja alle wißt, ist Boston nicht “Weltrekordfähig”, da dies ein Punkt zu Punkt Kurs ist, und zudem ein von der IAAF unzulässiges Gefälle auf weist. Dennoch halte ich den Streckenrekord von Mutai für eine bessere Zeit als die von Makau in Berlin. Ganz einfach aufgrund der Topographie in Boston. Auch wenn es im vergangenen Jahr eine gewisse Windunterstützung gab, die Zeit, die man auf den vielen Bergaufpassagen verliert, kann man auf den Bergabpassagen nicht wieder gut machen.

Dieses Jahr wird es in Boston aber wohl kaum für einen neuen Streckenrekord reichen. Denn wie aus den letzten Wettervorhersagen herausgeht, sollen die Temperaturen mehr als 20 Grad erreichen. Vollkommen ungewöhnlich für Boston um diese Jahreszeit. Das heißt für mich, alles andere als eine Zeit über 2:06 Stunden wäre eine Überraschung. Zudem hat Mutai schon deutlich angekündigt, dass er in diesem Jahr nicht auf einen Streckenrekord aus ist, sondern “nur” das Rennen gewinnen will. Da allerdings im vergangenen Jahr die Zeiten im Marathon geradezu explodiert sind, wo auch Mutai eine gehörige Portion “Mitschuld” trägt, muß der Kenianer aber zumindest wieder in der Form des Vorjahres sein, um überhaupt eine Chance zu haben seinen Sieg zu wiederholen.  

viele Grüße vom Äquator, Gerd

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Frühjahrsmarathons stehen vor der Tür

13. April 2012

So, da bin ich wieder. Zurück aus der Diaspora. Habe schon so lange nichts mehr in diesem Blog geschrieben, dass die meisten aufgegeben haben überhaupt noch diese Seite aufzurufen. Egal, wenn ich ehrlich bin hatte ich nach meinem New York Marathon im vergangenen November doch ein ziemliches Tief. das habe ich aber verarbeitet mit meinem Artikel über Höhentraining, der im April Heft im Laufmagazin Spiridon erschienen ist. Leider hat sich bisher noch nichts weiter getan, von wegen Zeitschriften oder Zeitungen in Deutschland und den USA. Vielleicht kommt ja noch was, aber viel Hoffnung habe ich nicht mehr.

Jetzt geht die Frühjahrssaison los mit Marathons am Wochenende in Rotterdam, Wien und Paris. Wenn das Wetter mitspielt, ist es durchaus möglich, dass Patrick Makau seinen im vergangenen September in Berlin gelaufenen Weltrekord von 2:03:38 Stunden los ist. Denn sein kenianischer Landsmann Moses Mosop will diesen unbedingt in Rotterdam verbessern. Doch in Rotterdam weht des öfteren ein ziemlich heftiger Wind. Mal sehen, was von diesem Weltrekordversuch übrig bleibt.

Am kommenden Montag dann das Highlight mit dem Marathon in Boston, wo Geoffrey Mutai versucht, seinen Titel zu verteidigen und sich endlich für das kenianische Marathon-Olympiateam zu qualifizieren. Mit seinen Siegen im vergangenen Jahr in Boston und New York, hätte er den Startplatz meiner Meinung nach längst verdient gehabt. Doch in Kenia ticken die Uhren halt anders. Da haben sage und schreibe mehr als 300 Läufer die Olympia A-Norm unterboten.

In Deutschland warten wir darauf, dass es wenigstens einer schafft. Gute Chancen hat sicherlich Jan Fitschen, der am 29. April in Düsseldorf seine Chanceb beim Schopf packen will. Seine Vorbereitung in der Höhe in Iten/Kenia läuft gut. Das hat er mir bestätigt.  Ich drücke ihm jedenfalls beide Daumen, dass es klappt.  Bei den Frauen sieht es in der Hinsicht doch wesentlich besser aus, obwohl der Olympia-Marathon für Irina Mikitenko wohl ein paar Jahre zu spät kommt um ganz vorne eingreifen zu können. Während ihr Mann und Trainer in London am 22. April auf eine 2:22 spekuliert, wollen Kenianerinnen, allen voran Vorjahressiegerin Mary Keitany, und Äthiopierinnen deutlich unter 2:20 Stunden laufen. Laut Mikitenko will sie aber “mit Köpfchen laufen”, und vielleicht profitiert sie von einem zu hohen Anfangstempo der Ostafrikanerinnen.

Also viel Spaß, entweder bei der Teilnahme an einem Frühjahrsmarathon oder ansonsten vor der Glotze bei den Übertragungen

Gerd

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Artikel zum Thema Höhentraining

10. Februar 2012

Liebe Leser,

leider habe ich euch in der letzten Zeit sehr vernachlässigt. Das tut mir sehr leid, ist aber im Moment nicht zu ändern. Seit mehreren Monaten arbeite ich schon an einem Projekt zum Thema “Höhentraining und die Umstellung auf Rennen auf Meereshöhe”.

In meinem Artikel, den ich hoffentlich in etwa ein bis zwei Wochen fertig haben werde, komme nicht nur ich zu Wort sondern auch der US-amerikanische Trainer Jack Daniels, Kenias Marathon-Superstar Geoffrey Mutai, der 2011 sowohl in Boston als auch in New York mit Streckenrekord siegte, Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe, US-Trials Sieger und New York Gewinner von 2009, Meb Keflezighi, unter Mithilfe seines Trainers Bob Larsen, sowie als “deutsches Salz in der Suppe” unsere Marathonhoffnung für London, Jan Fitschen.

Dieser Artikel wird aller Voraussicht nach nicht nur im Spiridon Laufmagazin zu lesen sein, sondern auch in den USA und England. Dafür schaffe ich im Moment die Voraussetzungen, und hoffe ihr vergebt mir meine (zu) lange Sendepause.  Das kostet eine Unmenge an Recherche und Arbeit, die mich teilweise davon abhält selbst vernünftig zu trainieren. Geschweige denn meinen Blog auf dem letzten Stand zu halten.

viele Grüße vom Äquator ins bitterkalte Deutschland und Europa, Gerd

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